Ende August war ich in einem Yoga-Retreat. Ich freute mich sehr auf fünf Tage Entspannung nach einem anstrengenden Sommer. Ich reiste gemeinsam mit meinem Partner an. Leider sollte das Retreat alles andere als entspannend werden. Genau deshalb habe ich entschieden hier einen etwas anderen Bericht zu verfassen.
Auf ins wunderschöne Yogaland
Ein kleines müdes Katzi sucht Entspannung
Es war einmal eine kleine Katze, die eine dringende Auszeit nötig hatte. Daher buchte sie ein Yoga-Retreat. 5 Tage entspannen in der Natur mit veganer Vollverpflegung und mehreren Yogaeinheiten pro Tag. Was kann es Schöneres geben, dachte sie sich und klickte auf den Anmeldebutton. Leider hatten die bösen Hexen und Zauberer Kärntens böses mit ihr vor.
Schon drei Wochen vorher zeigten sich die ersten bösen Vorzeichen. Eine Auseinandersetzung mit einer gehässigen Bordsteinkante setze den Yogaträumen der kleinen Katze ein jähes Ende. Ein Bänderriss im Fuss bedeutete deutlich weniger Yogaeinheiten, aber dafür mehr Zeit am Pool. Am Tag der Anreise konnte die Katze zumindest schon wieder normal durch die Gegend flanieren, also stand der eigentlichen Reise nichts mehr im Weg. Um die viele Freizeit zu überbrücken, schnappte die Katze sich ihren Kuschelkater und so reisten beide zusammen in den Kurzurlaub.
Kater und Katzi erkunden ihr Refugium
Angekommen im Hotel wurden sie direkt mit einem warmen oder kalten Handtuch begrüßt. Warum, fragte sich die Katze verwundert, nahm das Handtuch aber an, um sich die Pfoten zu säubern. Das dargebotene Katzenzimmer war groß und mit einem Futon-Doppelbett ausgestattet. Des Weiteren gab es einen kleinen Tisch, zwei Sessel und eine Kommode. Die Betten mussten Katze und Kater leider selbst beziehen. Angeschlossen war das Zimmer an eine wirklich sehr große schöne Terrasse, die allerdings mit den Bewohnern des Nachbarzimmers geteilt werden muss.
Die Anlage an sich war sehr schön. Es gab ein Gästehaus mit den Zimmern und auf dem kleinen Hügel war der Essensraum, das Yogazentrum und der Pool lokalisiert.


Nach der ersten Yogaeinheit wurde das Abendessen, welches unter dem Motto Thai stand, serviert. Es gab ein Linsencurry mit Reis und Salat und zum Nachtisch einen Beerencrumble. Katzi nahm sich noch eine Himbeerbrause, schwor sich allerdings, dass es die einzige bleiben würde, als sie sah, dass sie dafür 4€ zahlen sollte. Wasser gab es schließlich umsonst.
Nach dem Abendessen stellten sich dann auch die Gastgeber vor: Die weißhaarige Kräuterhexe Hartmute und ihr Ehemann, der glatzköpfige Hexenmeister Waldefri. Wie Marktschreier beworben sie ihre Leistungen, die sich vor allem im Spektrum der nicht-evidenzbasierten Gesundheitsmittel befanden. Ein kleines Lächeln wurde der Katze entlockt, als erklärt wurde, dass die angebotenen Ingwerwickel tierische Proteine aus dem Körper schwemmen sollen. Sowohl eine Bioresonanzanalyse als auch eine Ernährungsberatung hatten die zwei im Angebot.
Außerdem wurden uns die hauseigenen Masseure schmackhaft gemacht. Einen betitelte Hartmute als Jesus, welchen sie im kroatischen Wald gefunden hat und der Triggerpointmassage im Thai Stil durchführt.
Die Katze wurde ebenfalls darüber informiert, dass im gesamten Gästehaus ab 22 Uhr ein „Elektronikverbot“ herrschte. Das Haus sei sonst frei von Elektrosmog und die Gastgeber würden uns einladen, dass auch mal auszuprobieren. Die Katze schätze die gewählte Formulierung sehr, fand es dennoch etwas übergriffig, schließlich ist sie eine erwachsene Frau, die selbst entscheiden kann, ob und wann sie ihr Telefon verwendet. Da schon das Wort Elektrosmog das Fell der Katze zu Berge stehen liess, entschied sie sich für die Methode lächeln und winken.
Den nächsten Hinweis hörten Katzi und Kater allerdings gern: Waldefri hob hervor, dass die bezogenen ZenZimmer private Höhlen seien und die Bewohner sich dort völlig frei und ungestört bewegen könnten. Aus diesem Grund würde es auch keinen Zimmerservice geben, schließlich wolle man die Ruhe nicht stören.
Das Zen wird gestört
Die Ruhe wurde allerdings direkt am ersten Morgen gestört, als Kuschelkater und Katzentier in ihrer Höhle taten, was Katzen so tun. Es klopfte und sofort wurde die Tür aufgerissen. Katertier warf sich so gut es ging vor Katzi, aber Katzi präsentierte ihren Katzenkörper trotzdem unfreiwillig einem Mitarbeiter, der sich Eintritt zur Katzenhöhle verschaffte. Das feline Zen geriet dadurch leider etwas aus dem Gleichgewicht.
Ansonsten war der erste Tag angenehm. Katzi yogierte vor sich hin, während sich Kater am Pool die Sonne auf den pelzigen Bauch schienen lies. Das Frühstück bestand aus Brot mit Aufstrichen und einer Porridgevariante mit verschiedenen Toppings. Alle Kaffeeliebhaber wurden beim Frühstück allerdings herb enttäuscht. Hausintern wurde nur ein Getreidekaffee gestellt, für alle anderen Koffeinsüchtigen gab es allerdings das Angebot für 15€ pro Nase eine Kaffeeflatrate für die gesamten Aufenthaltsdauer zu buchen. Rückblickend muss Katzi etwas kichern, da sie zuerst annahm, die 15€ würden für die gesamte Gruppe gelten, schließlich kann man mit 15€ 2,5 Päckchen Kaffee kaufen und selbst kochen, mussten die Gruppenteilnehmer ihn auch. Aber nein, 15€ pro Person für 5 Tage selbstgekochten Kaffee.


Nachmittags gab es einen kleinen süßen Snack. Am ersten Tag war das leider Mohnkuchen. Das nicht alle Speisen Katzies Geschmack treffen würden, war schon vorher klar, also griff sie sich eine Nektarine und ein paar Trauben. Wasser und hauptsächlich Kräutertee standen während der gesamten Retreatzeit kostenlos zur Verfügung. Am zweiten Abend stand das Dinner unter dem Thema Marokko. Es gab Hirsecouscous, Karotten, Chinakohl und zwei verschiedene Humussorten. Kater, der schon in Marokko gelebt hat, betrachtete das Dinner mit gerunzelter Stirn und murmelte: „Das habe ich noch nie in Marokko gegessen“, in seine Schnurrhaare.
Eine Katze verdient nur heißes Wasser
Während Kater und Katzi den ersten Tag trotz der nicht eingeplanten freizügigen Darbietung genossen, wurde die gute Stimmung am nächsten Tag zerstört. Nach der morgendlichen Yoga-Einheit verspürte Katzi das dringende Bedürfnis ihr plüschiges Katzenfell zu waschen. Zu ihrem Leidwesen floss nur eiskaltes Wasser durch die Rohre des Gemäuers, so wurden die Pläne geändert und erst eine kleine Wanderung eingelegt mit der Hoffnung nachmittags mehr Glück zu haben.

Direkt über dem Refugium lag eine Alpakafarm, die Katzi und Kater mit flauschigen Alpakas überzeugte. Nach der Wanderung war immer noch kein warmes Wasser verfügbar. Kein wütendes Aufstampfen mit der Pfote half Katzi, sie musste das Problem lösen. Der Introvert in Katzi dachte sich: Kein Problem, dann duscht Katzi einfach am Pool. Da sollte es ja leer sein, da die anderen Teilnehmer schon in der zweiten Yogaeinheit des Tages schwitzten. Katzi stellte die Dusche an und wurde von warmen Wasser begrüßt. Schnell ausgezogen sprang sie unter den Wasserstrahl und befeuchtete ihr Fell. In dem Moment wurde das Wasser eiskalt. Bibbernd stellte Katzi es ab. Nun stand sie da…wie ein kleiner nasser stinkender Fellknäuel.
Katzi hatte genug und klagte ihr Leid empört, dem Kater, welcher den Knechten Bescheid geben wollte. Er fand nur Jesus, der stumm auf die Dusche in der Sauna zeigte, die allerdings auch schon versucht wurde. In den nächsten Stunden teste Katzi immer wieder das Wasser und wurde nur mit einem kalten Schauer belohnt. Erst als andere Yoginis zum Abendessen ihr Leid klagten wurde diesem Problem mit mehr Initiative begegnet. Hartmute berichtete dann, dass der Kesselreiniger versäumt hatte den Kessel zu aktivieren. Katzi und Kater hatten nur wenig Verständnis und erwarteten etwas mehr Pflichtbewusstsein, schließlich hatten sie schon mittags auf das fehlende warme Wasser hingewiesen.
Ein trauriges Schokoladenmousse
Zum Abendessen gab es ein von Katzi heiß erwartetes Schokoladenmousse was leider auch enttäuschte. Es war grau. Jeder der sich mit Schokolade auskennt, weiß, dass eine gute Schokolade dunkel und sowieso schon vegan ist. In der Kombi mit Avocado, Banane und Kokosmilch ergibt das ein fantastisches Schokoladenmousse ohne viel Brimborium und mit hochwertigen Zutaten. Das hier servierte schmeckte allerdings, als hätte es maximal neben Schokolade gelegen.
Kater und Katzi auf der Flucht
Den dritten Tag verbrachten die zwei traurigen Turteltäubchen am nahegelegenem See. Hier wurden sie mit Pommes, Schnitzel und einer Topfengolatsche belohnt. Ihre zuckerhungrigen Körper seufzten zutiefst befriedigt. Tiefenentspannt kehrten sie dann mit anderen geflohenen Yoginis ins Retreat zurück.

An diesem Abend sollten die zwei ihre Rechnung begleichen. Vorher musste man sich in eine Liste eintragen. Es gab für jede Person einen 3-Minuten Slot. Waldefri errechnete in mühevoller Kleinstarbeit mit einem Taschenrechner aus dem letzten Jahrhundert den zu zahlenden Obulus. 8 Übernachtungen (4×2 Personen), eine Limonade, eine Abholung bei Anreise plus der in jenen Moment angemeldete Rücktransport. Etwas verwundert bezahlten Katzi und Kater den Preis, auf Nachfrage gab es die Rechnung erst am nächsten Tag.
Hinterher diskutierten die zwei flauschigen Protagonisten vor der abendlichen Yogastunde die Preise, war sie doch sicher, dass der gebuchte Übernachtungspreis geringer war als der in Rechnung gestellte. Außerdem machte sich allgemeine Unzufriedenheit breit, da das Angebot in keinem Fall diese Leistung rechtfertigte. Die zwei Katzentiere wollten sich eine entspannte Auszeit gönnen, die sie letztendlich nicht erhalten haben. Hausherr Waldefri bekam wohl einen Teil des Gesprächs mit, da er sich nicht weit entfernt mit einem anderen Yogini unterhielt und immer wieder zu den zweien rüber blickte.
Der letzte Morgen
Da die Yogaeinheit am letzten Morgen für Katzis Fuss nicht geeignet war, wollten die zwei bis zum Frühstück um 10 Uhr im Bett bleiben. Leider hatten die bösen Hexer und Hexen der Unterkunft auch hier wieder etwas dagegen. Bis 08:00 Uhr hatten die Betten abgezogen zu sein. Dies wurde schon am ersten Abend angekündigt mit der Ansage, dass die Knechte die Bettwäsche mit möglichst wenig Chemikalien waschen und dann auf der Leine trocknen lassen. Bei allem Verständnis, aber wenn es keine doppelten Bettwäschesets für die Höhlen gibt, hat die Unterkunft ganz andere Probleme. 08:10 Uhr klopfte es ungehalten an der Tür. Der Bettwäscheabholdienst war da. Mit Tränen in den Augen und auch richtig wütend zog Katzi das Bett ab und verbrachte die restliche Zeit halb schlafend auf dem Sessel. Gebucht war die Höhle allerdings bis um 10 Uhr.

Auch das letzte Frühstück konnte nicht überzeugen, es wurde von dem bisher guten Buffet abgewichen. Anstatt dessen bekam man fertige Teller serviert.
Die am Tag vorher ebenfalls geflüchteten Teilnehmer, welche Katzi und Kater im Freibad getroffen hatten, berichteten schon hier, dass Hartmute und Waldefri empört über die von uns verzehrten Mengen waren. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wirkte es nun wirklich sehr unpassend, dass fertig angerichtete Teller gereicht wurden. Auf dem ersten lag nichts was den Gaumen der wählerischen Katzi reizte (veganes Rührei, Eiweissbrot, Rohkostsalat). Daher lehnte sie ab. Keine Alternative (nicht mal ein Stück Obst) wurde angeboten. Zum Glück gab es einen süßen zweiten Gang mit 3 kleinen Waffeln, Ahornsirup und Beerenkompott. Der überzeugte geschmacklich nicht ganz, aber war besser als nichts um den knurrenden Katzenmagen zu füllen. Es wurde sogar eine zweite Portion angeboten. Der Kater wurde gefragt, ob es ihm schmeckt. Auf seine ehrliche Antwort, dass es nicht ganz seins ist, wurde recht erzürnt reagiert.
Eine sabotierte Abreise
Punkt 11 Uhr standen Katzi und Kater dann vor dem Gästehaus, um von Waldefri wieder zum Bahnhof gefahren zu werden. Insgesamt warteten dort 6 Yoginis. Allgemeines Erstaunen kam auf, als Waldefri mit einem Tesla für fünf Personen vorfuhr. Als Katzi ihm sagte, dass das wohl nicht reichen würde, da ja sechs Yoginis abreisen wollten, wedelte er mit einer Liste auf der vier Namen standen. Die von Katzi und Kater fehlten. Katzi hatte die zwei am vorherigen Abend nicht eintragen können, weil die Liste schon nicht mehr im Essensraum lag. Dennoch meldeten Katzi und Kater den gewünschten Rücktransport beim Bezahlen an und bezahlten auch einen gewissen Rechnungsposten dafür. Die allgemeine Annahme, dass man dann auch mitgenommen werden würde, stellte sich allerdings als falsch heraus.
Als Katzi Waldefri darauf hinwies, dass wir doch bezahlt hätten, entgegnete dieser nur, dass er das nicht mehr weiß und wir nur für den Hintransport nicht jedoch für den Rücktransport bezahlt hätten. Wortlos lud er das Gepäck der anderen ein, die betreten danebenstanden. Anstatt weiter mit Waldefris einer Gehirnzelle zu diskutieren, sagte Katzi nur, dass sie ein Taxi rufen würde. Katzi und Kater begeben sich nicht auf solch eine Ebene.
Waldefri ließ unser Liebespärchen dann vor Ort und Stelle stehen und würdigte ihnen auch keines Blickes mehr. Offenbar haben die zwei mit der Diskussion am Vorabend, die er eventuell überhörte einen Nerv getroffen. Sind wir Schuld an dem Ganzen oder Waldefri? Katzi hätte ihn nochmal explizit drauf ansprechen sollen aber mit so wenig Professionalität und offener Arroganz und Agressivität hat sie nicht gerechnet.
Über Umwege gelangten Katzi und Kater dann zum Bahnhof und zurück in die Heimat.
So schnell wird es sie nicht nochmal in ein Yoga-Retreat verschlagen, wobei die Yogastunden toll waren, die wurden allerdings auch von einem externen Anbieter durchgeführt.
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