Gmunden war eigentlich gar nicht geplant.
Meine Freundin wollte einen Mädels-Trip machen und ungefähr drei Wochen vorher hatten wir noch keine Ahnung, wo es hingehen sollte. Beim Sport erzählten mir dann Leute, wie schön Gmunden sei. Viel mehr Recherche brauchte es offenbar nicht: Wir buchten ziemlich spontan ein paar Tage am Traunsee.
Meine Freundin kam mit dem Auto aus Bonn, ich mit dem Zug aus Wien. Ein Auto hatten wir damit theoretisch sogar dabei, praktisch brachte uns das für gemeinsame Ausflüge wenig, denn es ist ein Zweisitzer. Also waren wir vor Ort zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Schiff unterwegs.
Mit dabei waren außerdem meine kleine Tochter und der Hund meiner Freundin. Ein klassischer Mädels-Trip also nur eben mit Baby und Hund.
Und Gmunden? Hat mich wirklich überrascht.
Die Stadt hat mich ein bisschen an Klagenfurt erinnert, mit einem für mich entscheidenden Vorteil: Hier liegt die Innenstadt direkt am See. Man läuft durch die Stadt und steht praktisch sofort am Traunsee. Dazu die Berge im Hintergrund, Schiffe auf dem Wasser und jede Menge Möglichkeiten für lange Spaziergänge.



Dafür, dass wir drei Wochen vorher noch nicht einmal wussten, dass wir nach Gmunden fahren würden, war das ein ziemlich guter Treffer.
Gmunden mit Kleinkind: Unser erster Eindruck
Mein Highlight in Gmunden war gar keine bestimmte Sehenswürdigkeit. Es war tatsächlich der Traunsee selbst.
Wir waren unglaublich viel zu Fuß unterwegs. Gerade direkt am Wasser kann man mit Kinderwagen wunderbar spazieren und hat dabei ständig den See und die Berge im Blick.
Was man allerdings wissen sollte: Gmunden ist ziemlich bergig. Solange man am See bleibt, merkt man davon nicht allzu viel. Verlässt man die Promenade, gibt es aber durchaus Straßen, bei denen aus einem gemütlichen Spaziergang plötzlich ein kleines Kinderwagen-Workout wird.
Insgesamt hat der Kinderwagen für uns trotzdem hervorragend funktioniert.
Gmunden ohne Auto – geht das mit Baby?
Für uns ganz klar: ja.
Meine Freundin hatte zwar ihr Auto dabei, gemeinsam konnten wir es aufgrund der nur zwei Sitze aber ohnehin nicht nutzen. Für unsere Tage in Gmunden war das kein Problem.
Wir konnten vieles zu Fuß erreichen und für weitere Strecken gibt es Busse, die Traunseetram und natürlich die Schiffe auf dem Traunsee.
Nur einmal wären wir mit einem größeren Auto deutlich flexibler gewesen. Über unsere Sommercard hatten wir von einer Rentierfarm erfahren, die wir gerne besucht hätten. Theoretisch wäre sie auch öffentlich erreichbar gewesen, praktisch hätten wir dafür allerdings ungefähr zwei Stunden gebraucht.
Mit Baby war uns das für einen einzelnen Ausflug einfach zu viel.
Das war aber tatsächlich einer der wenigen Momente, in denen ich während unseres Aufenthalts ein Auto vermisst habe.
Mit der Seilbahn auf den Grünberg
Ein Ausflug auf den Grünberg gehörte für mich unbedingt dazu.
Und eigentlich hatte ich einen ziemlich konkreten Plan: Wir fahren mit der Seilbahn nach oben und wandern von dort zum Laudachsee.
Also liefen wir los.
Meine Freundin mit ihrem Hund und ich mit Mari im Kinderwagen. Eine ganze Weile funktionierte das auch. Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich nicht mehr darüber nachdachte, ob ich den Weg hin schaffen würde, sondern ob ich anschließend mit Kinderwagen auch noch den kompletten Rückweg schaffen könnte.
Und da war meine Antwort: wahrscheinlich keine besonders gute Idee.
Also trennten wir uns. Meine Freundin wanderte mit dem Hund weiter zum Laudachsee, während ich mit Mari umdrehte. Später trafen wir uns wieder im Restaurant auf dem Grünberg.


Natürlich war ich kurz enttäuscht. Ich hatte mir schließlich vorgenommen, zum See zu kommen. Gleichzeitig ist genau dieser Moment einer derjenigen, die mir von der Reise besonders im Gedächtnis geblieben sind.
Ich habe meinen Plan geändert – und die Welt ist nicht untergegangen.
Ich musste weder beweisen, dass ich die Wanderung mit Kinderwagen schaffe, noch einen schönen Tag anstrengend machen, nur damit ich am Ende ein Häkchen hinter „Laudachsee“ setzen kann.
Vielleicht komme ich irgendwann noch einmal hin. Diesmal war Umkehren einfach die bessere Entscheidung.
Mit dem Schiff über den Traunsee


Natürlich wollten wir den Traunsee nicht nur vom Ufer sehen. Also ging es für uns aufs Schiff.
Unser erster Stopp war Traunkirchen.
Der Ort liegt wunderschön am See – aber bei unserem Besuch war dort ehrlich gesagt ziemlich wenig los. Sehr wenig.
Unser Highlight war am Ende ausgerechnet der Spielplatz direkt an der Schiffsanlegestelle. Für Mari super, für uns Erwachsene war Traunkirchen dagegen eher ein bisschen schnarchig.
Also ging es mit dem Schiff wieder weiter.
Wir stiegen beim Hois’n Wirt aus und liefen von dort zurück Richtung Gmunden. Der Weg verläuft teilweise an der Straße und ist deshalb keine einsame Seeuferwanderung. Trotzdem fand ich ihn richtig schön, denn wir hatten praktisch die ganze Zeit den Traunsee neben uns.
Und natürlich immer wieder den Traunstein vor Augen.
Den haben wir allerdings ausschließlich aus sicherer Entfernung bewundert – eine Traunstein-Besteigung gehörte definitiv nicht zu diesem Mädels-Trip.
Einfach spazieren – meine liebste Beschäftigung in Gmunden

Überhaupt waren es weniger die klassischen Sehenswürdigkeiten als unsere Spaziergänge, die mir von Gmunden besonders in Erinnerung geblieben sind.
Neben unseren Wegen direkt am Traunsee sind wir einmal von der Gegend bei Eisverliebt an der Traun entlang Richtung Gmunden gelaufen. Dort war es deutlich ruhiger als unmittelbar an der Seepromenade und trotzdem richtig schön.
Das mochte ich an Gmunden sehr: Kinderwagen schnappen, loslaufen und schauen, wo man landet.
Solange man am Wasser bleibt, funktioniert das wunderbar entspannt. Nur sobald man sich vom See entfernt, sollte man sich daran erinnern, dass Gmunden eben doch ziemlich bergig ist.
Schloss Ort darf natürlich nicht fehlen

Natürlich waren wir auch beim berühmten Schloss Ort.
Das Seeschloss auf seiner kleinen Insel ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Fotomotive Gmundens und lässt sich wunderbar in einen Spaziergang entlang des Sees integrieren.
Für mich war es allerdings weniger das Highlight unseres Aufenthalts als ein schöner Teil des Gesamtbildes.
Was mir von Gmunden am stärksten im Gedächtnis geblieben ist, ist tatsächlich die Kombination aus See, Bergen und Stadt.
Traunseetram: Verkehrsmittel und Ausflug zugleich
Da wir vor Ort ohne Auto unterwegs waren, war die Traunseetram für uns nicht nur eine kleine Touristenattraktion, sondern ganz normales Verkehrsmittel.
Und genau das mag ich an solchen Reisen.
Statt mit dem Auto von Parkplatz zu Parkplatz zu fahren, sieht man unterwegs automatisch mehr von einem Ort. Für unsere Pläne hat das öffentliche Verkehrsangebot rund um Gmunden wirklich gut funktioniert.
Gmundner Keramik – und unser ziemlich zielgerichteter Shopping-Ausflug
Manchmal läuft man natürlich nicht nur wegen der schönen Landschaft.
Wir wollten unbedingt noch zu Fachl und machten uns deshalb zu Fuß auf den Weg ins Einkaufszentrum. Dabei kamen wir auch an der Gmundner Keramik vorbei.
Wenn man schon in Gmunden ist, gehört sie irgendwie dazu. Die typische Keramik ist weit über die Region hinaus bekannt und ich weiß, dass viele Österreicher:innen sie lieben.
Ich persönlich fand sie vor allem: teuer.
Damit blieb es bei uns beim Anschauen und wir liefen weiter Richtung Fachl.
Aber genau solche Wege mochte ich an unserem Aufenthalt. Wir waren nicht nur zwischen einzelnen Sehenswürdigkeiten unterwegs, sondern haben dabei automatisch ziemlich viel von Gmunden gesehen.
Und dann war da noch die geschenkte Eiskugel
Eine meiner liebsten Erinnerungen an Gmunden ist erstaunlicherweise eine Kugel Eis.
Am ersten Tag wollte ich mir bei Eisverliebt am Traunsee ein Eis holen. Meine gewünschte Sorte war schon fast leer, aber die Verkäuferin begann trotzdem, die letzten Reste für mich zusammenzukratzen, bis tatsächlich noch eine Kugel zusammenkam.
Dann bemerkte ich, dass ich dort nur bar bezahlen konnte.
Ich hatte kein Bargeld dabei und meinte deshalb nur, dass es dann leider nichts wird.
Und sie?
Hat mir die Kugel einfach geschenkt. 😍
Es war nur eine Kugel Eis. Aber solche kleinen Begegnungen bleiben mir von Reisen manchmal stärker im Gedächtnis als Sehenswürdigkeiten, die man vorher unbedingt besuchen wollte.
Gmunden hatte damit jedenfalls schon am ersten Tag einige Sympathiepunkte gesammelt.
Gmunden mit Baby: Wie familienfreundlich fanden wir es?
Insgesamt hat Gmunden mit Baby für uns richtig gut funktioniert.
Der Kinderwagen war definitiv die richtige Wahl. Gerade die Wege entlang des Wassers sind angenehm und auch längere Spaziergänge waren problemlos möglich.
Nur die Steigungen sollte man nicht unterschätzen.
Einen Punkt fand ich dagegen tatsächlich etwas enttäuschend: das Spielplatzangebot. Für einen Ort, der sich ansonsten so gut für einen Familienausflug eignet, hätte ich mit mehr beziehungsweise besseren Spielmöglichkeiten gerechnet.
Ausgerechnet im für uns eher wenig spannenden Traunkirchen fanden wir dann direkt an der Schiffsanlegestelle einen Spielplatz.
Beim Wickeln oder Essen unterwegs hatten wir dagegen keine größeren Probleme. Vieles erledigten wir ohnehin in unserer Ferienwohnung und wenn es unterwegs sein musste, wurde eben auch mal eine Parkbank zur improvisierten Station.
Mit Baby wird man da irgendwann ziemlich pragmatisch.
Unsere Ferienwohnung in Gmunden
Da unser gesamter Trip ziemlich spontan entstanden war und wir erst ungefähr drei Wochen vorher gebucht hatten, war die Auswahl an Unterkünften natürlich nicht mehr riesig.
Wir landeten schließlich in einer Ferienwohnung in der Wunderburgstraße und wohnten damit etwas außerhalb des Zentrums.
Für uns hat die Lage trotzdem gut funktioniert.
Natürlich wäre eine Unterkunft direkt am See noch bequemer gewesen. Notwendig ist sie meiner Meinung nach aber nicht – gerade wenn man ohnehin gerne läuft und öffentliche Verkehrsmittel nutzt.
Essen in Gmunden
Essen war diesmal kein großer Schwerpunkt unserer Reise. Mit Baby haben wir einiges einfach in unserer Ferienwohnung gegessen.
Einmal waren wir direkt an der Esplanade bei Baumgartner essen. Gerade die Lage am Wasser passt natürlich perfekt zu einem Tag, den man ohnehin rund um den See verbringt.
Und dann war da selbstverständlich noch meine geschenkte Eiskugel.
Für einen großen Gmunden-Food-Guide habe ich aber definitiv nicht genug getestet. Bevor ich Restaurants empfehle, in denen ich selbst nie war, bleibt es lieber bei unseren tatsächlichen Erfahrungen.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Überraschend wenig.
Ich würde gar nicht versuchen, bei einem weiteren Besuch möglichst viele zusätzliche Sehenswürdigkeiten unterzubringen. Ich würde wieder viel Zeit am Wasser verbringen, Schiff fahren und einfach loslaufen.
Den Laudachsee würde ich allerdings gerne noch einmal versuchen – dann unter anderen Voraussetzungen beziehungsweise mit einer für den Weg geeigneteren Transportmöglichkeit für Mari.
Traunkirchen müsste ich dagegen nicht unbedingt noch einmal besuchen.
Und bei Zielen außerhalb Gmundens würde ich vorher etwas genauer prüfen, wie gut sie tatsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Innerhalb Gmundens und für unsere Ausflüge rund um den Traunsee kamen wir ohne Auto sehr gut zurecht. Bei spezielleren Zielen wie der Rentierfarm stößt man aber irgendwann an Grenzen.
Mein Fazit: Würde ich wieder nach Gmunden fahren?
Definitiv.
Gmunden war eine dieser Reisen, bei denen ich mit relativ wenigen Erwartungen hingefahren bin und anschließend dachte: Warum hatte ich diesen Ort eigentlich nicht schon früher auf dem Schirm?
Die Stadt erinnert mich ein bisschen an Klagenfurt, gefällt mir durch die unmittelbare Lage der Innenstadt am See aber fast noch besser. Man kann durch die Stadt laufen und wenige Minuten später direkt am Traunsee stehen – ohne erst irgendwo hinfahren zu müssen.
Mit Kinderwagen konnten wir sehr viel unternehmen und obwohl wir unser vorhandenes Auto gemeinsam nicht nutzen konnten, waren unsere Tage problemlos machbar.
Traunkirchen würde ich beim nächsten Mal nicht priorisieren und ein paar mehr gute Spielplätze hätten Gmunden definitiv nicht geschadet.
Trotzdem würde ich wiederkommen.
Und vielleicht ist das Schönste, was ich aus diesem spontanen Mädels-Trip mitgenommen habe, gar kein klassischer Reisetipp:
Ich darf mit einem Plan losfahren und ihn unterwegs ändern.
Ich darf auf halber Strecke zum Laudachsee feststellen, dass sich der Rückweg mit Kinderwagen nicht mehr gut anfühlt, umdrehen und meine Freundin alleine weiterwandern lassen.
Das macht weder den Ausflug noch den Urlaub schlechter.
Manchmal wartet auf dem Grünberg schließlich auch einfach ein Restaurant – und unten am See die nächste geschenkte Kugel Eis.